Schindler, Larissa (2016): Eine Kampfkunst lernen oder: Schweigsame Wissensvermittlung im Sport. In: Paragrana 25 (1): 361-372

Zusammenfassung: Seit geraumer Zeit beschäftigt sich die Soziologie mit der Thematik des „Körperwissens“: Von Marcel Mauss’ These der Körpertechniken über Schütz’ Ausführungen zu Fertigkeiten, Bourdieus Thesen zum Habitus bis hin zu einer Reihe aktueller Arbeiten reicht der Bogen. Ich beschäftige mich im Folgenden mit dem Phänomen der schweigsamen Wissensvermittlung aus mikrosoziologischer Perspektive. Anhand von empirischem Material aus einer ethnografischen Studie in einem Kampfkunstverein gehe ich der Frage nach, wie in der alltäglichen Praxis des Trainings ein zum großen Teil im Medium des Körperlichen operierendes Wissen vom Trainer an die Schüler/-innen weitergegeben wird. Dabei zeigt sich, dass das körperliche Wissen der (inzwischen europäisch geprägten) Kampfkunst vor allem auf visuellem und somatischem Weg vermittelt wird. Körper führen Bewegungen vor und sie geben einander in Partnerübungen Feedback. Das Körperwissen der Kampfkunst wird peu à peu in einer Kommunikation zwischen Körpern (Goffman) weitergegeben, die jedoch nicht nur einen visuellen, sondern vor allem auch einen somatischen Kanal hat.