Hirschauer, Stefan (2016): Diskurse, Kompetenzen, Darstellungen. Für eine Somatisierung des Wissensbegriffs. In: Paragrana 25 (1): 23-32

Zusammenfassung: Der Beitrag skizziert drei Optionen einer konzeptuellen Verknüpfung von Körper und Wissen. Sie sind mit den Begriffen Diskurs, Kompetenz und Darstellung verbunden und betrachten das Wissen als etwas, das man über den Körper „haben“ kann, etwas, das im Körper „sitzt“, oder als etwas, das über Körper zirkuliert. Diskurse stehen für die Wissensabhängigkeit von Körpern, Kompetenzen für ihre praktische Wissensträgerschaft und Darstellungen dafür, dass Körper Wissen visuell kommunizieren: Menschliches Verhalten ist jene Form kultureller Selbstrepräsentation, die sich durch Körper artikuliert – und nicht durch Erzählungen, Texte oder technische Bilder. Körper und Wissen sind Begriffe für zwei Phänomenbereiche, die einer alten soziologischen Gewohnheit gemäß lange recht entfernt voneinander angesiedelt waren. Wir fanden sie sozusagen in verschiedenen Schubfächern unserer Zettelkästen. Daran hat sich einiges geändert. Eine Generation nach der kommunikationstheoretischen Wende der 80er Jahre ist eine Art Wiederentdeckung des Körpers festzustellen. Ich möchte daher ein paar konzeptuelle Bemerkungen zum Verhältnis von Körper und Wissen machen, die das Potential einer Soziologisierung des Körpers für den Begriff des Wissens umreißen. Es gibt im Wesentlichen drei Optionen einer konzeptuellen Verknüpfung des Körpers mit dem Wissen. Sie sind mit den Begriffen Diskurs, Kompetenz und Darstellung verbunden und betrachten das Wissen als etwas, das man über den Körper ,haben‘ kann, etwas, das im Körper ,sitzt‘, oder als etwas, das über Körper zirkuliert. Zu sprechen ist also über das Wissen vom Körper, im Körper und am Körper.